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Technology

Kritische Sicherheitslücke: Magento- und Adobe-Commerce-Shops JETZT patchen

CVSS 10.0, aktiv ausgenutzt — und selbst vollständig gepatchte Shops waren angreifbar. Was Betreiber von Magento- und Adobe-Commerce-Shops jetzt tun müssen.

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Kritische Sicherheitslücke: Magento- und Adobe-Commerce-Shops JETZT patchen

CVSS 10.0 … nicht erst zu Ende lesen, bevor du handelst

Was ist passiert?

Adobe hat am 7. September 2026 den Sicherheitshinweis APSB26-146 mit der höchsten Prioritätsstufe (Priority 1) veröffentlicht. Er schließt eine kritische Lücke, die inzwischen als CVE-2026-75650 geführt wird und von Adobe selbst mit einem CVSS Base Score von 10.0 bewertet wurde – dem Maximalwert der Skala. Adobe bestätigt zudem ausdrücklich, dass die Lücke bereits aktiv ausgenutzt wird.

Entdeckt wurde die Schwachstelle vom niederländischen E-Commerce-Sicherheitsunternehmen Sansec, das sie unter dem Namen „StyleSmuggler" veröffentlichte. Sansec beobachtete erste Angriffe bereits ab dem 4. September 2026.

Warum ist das so gefährlich?

Ein CVSS-Wert von 10.0 kommt nicht oft vor, und er bedeutet in diesem Fall:

  • Keine Authentifizierung nötig – Angreifer benötigen keinerlei Zugangsdaten, um den Shop zu übernehmen.
  • Keine Nutzerinteraktion erforderlich – niemand muss eine E-Mail öffnen oder auf einen Link klicken.
  • Vollständige Remote Code Execution (RCE) – Angreifer können beliebigen Code auf dem Server ausführen.

Technisch schleust StyleSmuggler bösartigen PHP-Code über die Style-Eigenschaften des Magento-Template-Systems ein und umgeht damit bestehende Schutzmechanismen. Der Angriff läuft in zwei Schritten ab: Zunächst wird der schädliche Code eingeschleust, zum Beispiel über einen generierten Fehlerbericht. Anschließend führt Magento diesen Code aus, sobald eine E-Mail zu einer fehlgeschlagenen Zahlung generiert wird – und das völlig automatisch, ohne dass irgendjemand aktiv etwas tun muss.

Besonders alarmierend: Sansec konnte die vollständige Angriffskette auf sauberen, vollständig gepatchten Installationen der Versionen 2.4.7, 2.4.8 und 2.4.9 reproduzieren. Das erste bekannte kompromittierte Opfer lief sogar auf einer Version mit allen Juli- und August-2026-Patches. Regelmäßiges Patchen allein hätte diesen Angriff also nicht verhindert – nur das gezielte Einspielen des neuen Hotfixes hilft.

“Regelmäßiges Patchen allein hätte diesen Angriff also nicht verhindert.”

Wer ist betroffen?

Praktisch jede aktuell unterstützte Version:

  • Adobe Commerce: 2.4.4 bis 2.4.9
  • Magento Open Source: 2.4.4 bis 2.4.9
  • Adobe Commerce B2B: 1.3.3 bis 1.5.3

Das betrifft schätzungsweise über 100.000 aktive Magento-Shops weltweit – inklusive eines erheblichen Anteils der größten Onlinehändler.

Was du jetzt tun musst

  1. Hotfix einspielen

    Adobe stellt den Fix als Composer-Patch (VULN-39341-composer-patches.zip) über repo.magento.com bereit – nicht als reguläres Versions-Release. Die Installation lässt sich mit folgendem Befehl prüfen:
     

    vendor/bin/magento-patches -n status | grep "39341\|Status

  2. Verschlüsselungskey rotieren

    Da der Encryption Key potenziell kompromittiert sein könnte, rät Adobe, ihn zu erneuern – und alle damit verschlüsselten Zugangsdaten ebenfalls zu rotieren: Admin-Passwörter, REST-/SOAP-/GraphQL-Integrationstoken, OAuth-Client-Secrets, Zahlungsanbieter-API-Zugänge, Datenbank-Zugangsdaten sowie SSH- und Deploy-Keys.

  3. Store auf Kompromittierung prüfen

    Da bereits seit dem 4. September aktiv angegriffen wird, reicht das reine Patchen nicht aus – prüfe deinen Shop zusätzlich auf Anzeichen einer bereits erfolgten Kompromittierung, etwa mithilfe der Indicators of Compromise, die Sansec in seiner Analyse veröffentlicht hat.

  4. Nicht warten

    Bei einem CVSS-Wert von 10.0 und aktiver Ausnutzung im Feld zählt buchstäblich jede Stunde.

Welche konkreten Folgen kann ein Angriff haben?

Eine erfolgreiche Ausnutzung ist nicht nur ein theoretisches Risiko – sie bedeutet die vollständige Übernahme des Shop-Servers. Konkret drohen unter anderem:

  • Diebstahl von Zahlungs- und Kundendaten. Angreifer können den Checkout manipulieren, um Kreditkartendaten, Adressen und Login-Informationen von Kunden in Echtzeit abzugreifen (sogenanntes Magecart-/Skimming-Szenario).
  • Persistente Backdoors. Sansec beobachtet, dass die Angreifer nach der Erstinfektion dauerhafte Hintertüren installieren – der Shop bleibt also auch nach einem oberflächlichen Aufräumen kompromittiert, wenn nicht gründlich bereinigt wird.
  • Kompromittierung aller Zugangsdaten und Geheimnisse. Da der Angriff über den Verschlüsselungsmechanismus von Magento läuft, sind potenziell Admin-Passwörter, API-Tokens, OAuth-Secrets, Zahlungsanbieter-Zugänge sowie Datenbank-, SSH- und Deploy-Keys betroffen – Angreifer könnten sich damit weit über den eigentlichen Shop hinaus Zugriff verschaffen.
  • Ausfall des Shops. Manipulation oder Zerstörung von Daten und Systemkomponenten kann zu Downtime führen.
  • Rechtliche und finanzielle Folgen. Ein Datenleck mit Kunden- oder Zahlungsdaten kann Meldepflichten nach DSGVO, Bußgelder, Schadensersatzforderungen und den Verlust der PCI-DSS-Konformität nach sich ziehen.
  • Ausweitung als Sprungbrett. Ein übernommener Server kann auch als Ausgangspunkt für weitere Angriffe dienen, etwa auf angebundene interne Systeme, Partner-APIs oder Cloud-Infrastruktur.

Besonders kritisch: Da für den Angriff weder Login noch Nutzerinteraktion nötig ist und selbst gepatchte Shops betroffen waren, kann all dies passieren, ohne dass irgendjemand im Team etwas bemerkt – bis der Schaden bereits entstanden ist.

Fazit

Diese Lücke vereint fast alles, was einen Sicherheitsvorfall im E-Commerce besonders schwerwiegend macht: maximale CVSS-Bewertung, keine Authentifizierung nötig, aktive Ausnutzung in freier Wildbahn – und selbst vollständig gepatchte Shops waren angreifbar. Wenn du oder dein Team für einen Magento- oder Adobe-Commerce-Shop verantwortlich seid: Sprecht jetzt mit eurer Entwicklung oder eurer Agentur, spielt den Hotfix aus APSB26-146 ein und rotiert eure Zugangsdaten.

Quellen

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