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26.06.2026 · Pressemitteilung

Zum Digitaltag 2026: Digitalsouveränität braucht mehr als gute Vorsätze

Wie ein Jahr BMDS, zwei Ereignisse in einer Woche und ein Digitaltag-Motto zeigen, was wirklich fehlt.

ChatGPT Image 25. Juni 2026, 17_55_44

Während Deutschland mit dem BMDS echte Fortschritte bei der Staatsmodernisierung erzielt, kauft Elon Musks SpaceX die KI-Infrastruktur, von der Europa abhängt. ScaleCommerce, Betreiber digitaler Handelsinfrastruktur, fordert zum Digitaltag 2026 eine souveräne europäische KI-Strategie mit konkreten Investitionen und klarer Verantwortung auf Kabinettsebene.

Am 12. Juni 2026 sperrte die US-Regierung überraschend den weltweiten Zugang zu Anthropics neuesten KI-Modellen Fable 5 und Mythos 5 – ohne Vorwarnung, über Nacht. Nur vier Tage später gab SpaceX die Übernahme des meistgenutzten KI-Coding-Editors Cursor für 60 Milliarden US-Dollar bekannt. Zwei Ereignisse, die zeigen: Die strategisch entscheidende KI-Infrastruktur liegt fest in amerikanischer Hand – und wer sie nutzen darf, entscheidet Washington.

Für Christian Hagemeyer ist das ein Weckruf:

„Wir in Europa zählen zu den größten Anwendern moderner KI – kontrollieren aber nur einen Bruchteil der Infrastruktur, auf der sie läuft. Das ist keine Schicksalsfrage, sondern eine politische Entscheidung. Und sie muss jetzt getroffen werden.“

- Christian Hagemeyer, CEO, ScaleCommerce GmbH

BMDS: Echte Fortschritte – aber am falschen Maßstab gemessen

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat in zwölf Monaten Beachtliches geleistet: Der Glasfaserausbau wurde per TKG-Änderungsgesetz zum überragenden öffentlichen Interesse erklärt, eine Modernisierungsagenda mit über 200 Einzelmaßnahmen wurde im Dezember 2025 verabschiedet, und das KI-Tool SPARK beschleunigt bereits Planungs- und Genehmigungsverfahren in Behörden. Erste Pilotprojekte für mobile Behördengänge laufen.

Das Problem: Der Vergleich darf nicht mit früheren Bundesregierungen erfolgen, sondern mit der Geschwindigkeit, mit der sich die globale KI-Macht verschiebt. Daran gemessen kommt Deutschland gerade erst in den ersten Gang, während andere längst den fünften eingelegt haben.

75 Prozent der globalen KI-Infrastruktur: made in USA

Rund drei Viertel der weltweit neu gebauten Hochleistungsrechenkapazität für KI entsteht in den USA – so die jüngsten Daten von JLL und BloombergNEF. Europa nutzt diese Systeme intensiv, kontrolliert aber nur einen kleinen Teil der Infrastruktur. Die Konsequenzen reichen über KI hinaus: Mittel- bis langfristig betrifft das auch Softwareentwicklung, Industrieprozesse und kritische Infrastruktur.

Was jetzt gebraucht wird

ScaleCommerce unterstützt die Initiativen des BMDS, sieht aber zusätzlichen Handlungsbedarf auf drei Ebenen: erstens eine massive Aufstockung der öffentlichen Investitionen in souveräne KI-Infrastruktur, abgestimmt mit dem European AI Office; zweitens ein Sofortprogramm zur Risikokartierung digitaler Abhängigkeiten, inklusive Notfallszenarien; und drittens eine Verankerung des Themas als Chefsache auf Kabinettsrang – nicht länger als Querschnittsthema behandelt.

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